Bürgertum

Die gelehrte Vernunft

Napoleon exportierte in seinen Eroberungskriegen die Ideen der Französischen Revolution. Mit der Beschwörung der Einheit der Nation zeigt die Französische Revolution Signalwirkung für andere Länder. Es entwickeln sich die modernen Staaten, in der die Nation wichtiger Bezugspunkt ihrer Bürger wird. Nationalgefühl- und stolz tragen dazu bei , Ordnung und Einheit der Staaten zu stabilisierten. Viele Reformen werden nach Frankreichs endgültiger Niederlage wieder zurückgenommen. Eine vollständige Rückkehr gibt es aber nicht: Die Feudalherrschaft ist in vielen Staaten Europas beendet.

Auch im Bereich der Wissenschaften entwickelt sich Neues. Die Universität soll nicht länger nur Ausbildungsanstalt für Beamte, sondern die Stätte der freien Forschung sein. Das Studium dient der Hervorbringung sittlicher und wahrheitsliebender Menschen. Nicht mehr die theologische, juristische oder medizinische Abteilung, sondern philosophische Fakultät ist die wichtigste und einflussreichste.

An diesen Universitäten erklären Fichte, Schelling und Hegel, die Vertreter des Deutschen Idealismus, alles mit und aus der Vernunft. Hegel erhebt die Vernunft zum bewegenen Prinzip der Historie: Der rote Faden der Geschichte ist die sich selbst begreifende Vernunft.

Zunehmend aber wird der Führungsanspruch der Philosophie bestritten. In ihrem Bemühen, alles zu erklären, übertreibt sie es nach Meinung vieler praktisch Forschender. Nicht die philosophischen Denksysteme, sondern die Beschäftigung konkreter Wirklichkeit, Wissenschaftlichkeit und Erfahrung stehen für diese im Mittelpunkt der Forschung. Dies gilt zuerst für die Geschichtswissenschaft. Andere Wissenschaften folgen.

Neu ist in Deutschland auch die romantische Begeisterung für Indien. Es ist das Gegenbild zu der als nüchtern erfundenen Welt. der Aufklärung. Damit wird China seine Überlieferung und Religion als Ideal abgelöst. Alte Überlieferungen und Märchen werden aber nicht nur aus fernen Ländern zusammengetragen und gesichtet, sondern auch direkt vor der Haustür. In Deutschland lassen sich die Brüder Grimm Märchen erzählen. Auch arbeiten sie an dem umfassenden Wörterbuch der deutschen Sprache. Das Interesse an der eigenen Sprache und Kultur wächst.

In den Naturwissenschaften setzt sich nun endgültig diejenigen Forschung durch, die auf Beobachtungen und Experimente setzt. Es entsteht ein regelrechter Wissenschaftsbetrieb. In den jetzt gegründeten wissenschaftlichen Fachzeitschriften werden die Forschungsergebnisse national und international ausgetauscht. Die Zunahme des Wissens ist so groß , dass es unmöglich ist, in allen Wissenschaften auf der Höhe der Zeit zu sein. Die Spezialisten verdrängen den Universalgelehrten. Es ist die Zeit der Einzelwissenschaften. Diese erforschen mit immer besseren Methoden und feineren Werkzeugen ganz bestimmte Ausschnitte der Wirklichkeit.

Für die Universitätsphilosophen stellen sich bis dahin ungekannte Fragen: Welche Stellung nimmt die Philophie im Vergleich zu den einzelnen Wissenschaften? Ist sie Weltanschauung oder strenge Wissenschaft? Ist sie die Magd der Einzelwissenschaften? Die akademisch gebundene Philosophie beginnt über sich und ihre eigene Vergangenheit nachzudenken. Dabei eröffnet sie sich ein neues Arbeitsfeld: die Philosophiegeschichte.

Daneben steht die Beschäftigung mit den Fragen der Logik. Kritisch beleuchtet werden die Aussagen der anderen Wissenschaften. In der Universität arbeiten vor allem die Philosophen, die sich mit den Fragen der Erkenntnis beschäftigen. Viele Probleme aber, die die Öffentlichkeit beschäftigen, werden in den Universitäten nicht behandelt. Die Philosophie weicht den politischen Fragestellungen der Zeit und den Lebensfragen der Menschen aus.

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